Abschließend sind ICT-Messungen innerhalb von Millisekunden möglich, während FCT-Verfahren langsamer sind, da sich die Ausgangswerte eines versorgten Geräts erst stabilisieren müssen. Der FCT-Prozess dauert typischerweise fünf- bis zehnmal länger als der ICT-Prozess für dasselbe Produkt. Da ein kombinierter ICT/FCT-Testadapter leicht zum Produktionsengpass werden kann, versorgt ein ICT-System in der Praxis oft mehrere FCT-Testadapter parallel, um den Testdurchsatz zu erhöhen.
Fallstudie: Hochstrom-DC/DC-Tests für RECOM Power
Für eine neu entwickelte DC/DC-Serie der österreichischen Firma RECOM Power waren die zusätzlichen Kosten und die verlängerte Testzeit durch zwei separate Testadapter nicht akzeptabel. Es musste ein Weg gefunden werden, den Hochgeschwindigkeitsvorteil von ICT mit der Qualitätssicherung eines vollständigen FCT in einem einzigen Testadapter zu kombinieren. Dies stellte eine technische Herausforderung dar, da die DC/DC-Serie Geräte mit 6A Ausgangsstrom und 60V Eingangsspannung umfasste. Jedes Panel enthielt 40 unvollständige Module, was den Einsatz von Hochleistungsstromversorgungen erforderte und präzises Timing unverzichtbar machte. RECOM beauftragte Elmatest in der Tschechischen Republik mit dem Bau eines kombinierten ICT/FCT-Testadapters für die beim EMS-Anbieter eingesetzte Teledyne Teststation LH.
Anwendungstechniker Zdenek Martinek erkannte von Beginn an, dass es sich um kein gewöhnliches Projekt handelte. Es waren mehrere Herausforderungen zu lösen: Wie lässt sich ICT und FCT in einer Leiterplattenlösung kombinieren, wie kann die Relaisgeschwindigkeit erhöht werden, und wie lassen sich hohe Leistungsniveaus handhaben, ohne die empfindlichen Sonden zu beschädigen? In enger Zusammenarbeit mit Markus Stöger aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von RECOM wurden für alle diese Fragestellungen Lösungen gefunden.
Herausforderung 1: Integration und EMV-Abschirmung
Das erste zu lösende Problem war die Kombination von ICT und FCT in einer Multi-Panel-Leiterplatte. Jedes Panel enthielt 40 unabhängige Module, die bereits vollständig montiert, gekapselt und bedruckt waren. Einige interne Knotenpunkte waren für das ICT-Pin-Panel nicht zugänglich – und das ganz bewusst: Die DC/DC-Wandler arbeiten mit hohen Schaltfrequenzen, und das Metallgehäuse in Kombination mit der mehrlagigen Leiterplatte bildet einen sechseitigen Faradayschen Käfig zur Abschirmung gegen elektromagnetische Störungen (
EMV). Externe Verbindungen zu hochfrequenten internen Signalen hätten diese Abschirmung beeinträchtigt und Messfehler verursachen können.
Die Lösung für die Frage „Wie teste ich ein gekapseltes und unzugängliches Produkt?“ bestand darin, auf jeder Leiterplatte ein separates Testmodul zu integrieren. Nachdem das konventionelle ICT-Verfahren am Testmodul abgeschlossen war, mussten nur noch die verbleibenden Module einer FCT-Prüfung unterzogen werden.
Abb. 3: Blockdiagramm des Testsystems
Herausforderung 2: Engpässe in der Relaissteuerung überwinden
Der Code zur Durchführung eines einzelnen Test- und Messprozesses wird als Testvektor bezeichnet. Die Testkonfiguration wird als Datenburst übertragen, in den lokalen Onboard-Speicher geladen und anschließend durch ein Strobe-Signal aktiviert. Diese Konfiguration bleibt gespeichert, bis alle Messdaten zur CPU zurückübertragen wurden. In der Zwischenzeit kann der nächste Datenburst bereits vorgeladen werden, um auf das folgende Strobe-Signal zu warten. So erreicht das ICT-System einen hohen Durchsatz von 4µs pro Vektor.
Die in der TestStation verwendeten Standard-Relaistreiber werden vom PIO-Controller über den MXI-Bus angesteuert (Abbildung 2). Diese arbeiten jedoch mit deutlich geringerer Geschwindigkeit. Um die Relaisumschaltung zu beschleunigen, wurde eine neuartige Relaistreiber-Topologie implementiert, basierend auf einer Technik namens „Active Burst“. Dabei werden einige Relais nicht mehr über den PIO angesteuert, sondern direkt von aktiven D/S-Ausgängen. Diese D/S-Ausgänge liefern lediglich TTL-Pegel, was normalerweise nicht ausreicht, um ein Relais ohne zusätzlichen Treiber zu schalten. Durch den Einsatz von Darlington-Transistor-basierten Stromverstärker-Relaisspulen konnten die D/S-Module die Relais jedoch direkt ansteuern. Mit einer Umschaltzeit von 4µs erfolgte die Relaissteuerung nahezu verzögerungsfrei, was auch die Codierung deutlich vereinfachte.
Herausforderung 3: FCT beschleunigen und Sonden schützen
Ein weiteres zu lösendes Problem war die Beschleunigung des FCT. Die eingesetzte Methode nutzte die im ICA-System integrierte Verarbeitungsleistung. Wellenformsynthese, DDS und DFT sind von Natur aus schneller als klassische analoge Brückenmessverfahren. Anstatt auf die Stabilisierung der Ausgangswerte zu warten, wurde die Ausgangslast für wenige Millisekunden gepulst, und die dabei gewonnenen Rohdaten wurden verarbeitet, um die endgültigen Ausgangskennwerte abzuleiten. Dadurch ließ sich die Messzeit um bis zu 80% reduzieren.