Stromversorgungsdesign für maximale Leistung

Performance-Messer zeigt „HIGH“ an
Jeder Ingenieur ist bestrebt, für sein System, seine Stromversorgung oder jedes andere Produkt, an dem er arbeitet, maximale Leistung zu erzielen. Doch was bedeutet es konkret, auf Leistung zu optimieren? Im Kontext von Stromversorgungslösungen beschreibt dies häufig den klassischen Zielkonflikt zwischen Größe, Gewicht und Leistung (SWaP), gegebenenfalls erweitert um Kostenaspekte (SWaP-C).

Bei der Planung der Energieleistung (die in der Regel anhand von Effizienzkennzahlen gemessen wird) liegt der Schwerpunkt auf der Optimierung des Energieverbrauchs der Stromversorgung, sodass die Betriebskosten (OPEX) beziehungsweise die Energiekosten im Vordergrund stehen. Wenn eine Stromversorgungslösung nach Formfaktor optimiert wird, kann dies der maximalen Umwandlungseffizienz entgegenstehen. In diesem Fall wird das Design hinsichtlich der Investitionsausgaben (CAPEX) ausgelegt und der Fokus liegt im Wesentlichen auf Einsparungen bei den Anschaffungskosten, anstatt die Einsparungen durch Amortisierung zu berücksichtigen, die sich aus reduzierten operativen Kosten (OPEX) ergeben.

Dies kann insbesondere bei Anwendungen ins Gewicht fallen, bei denen die operativen Kosten der Stromversorgung die Gesamtbetriebskosten (TCO) dominieren, wie es etwa in großen Rechenzentren der Fall ist. Diese Unterscheidung kann entscheidend sein, wenn die Stromkosten die Gesamtbetriebskosten (TCO) maßgeblich bestimmen, wie zum Beispiel in großen Rechenzentren.

Bei netzunabhängigen Anwendungen können sich die Energie-OPEX in Form von Kraftstoffverbrauch, Reichweite und Batterielaufzeit ausdrücken. In der Regel stellen diese begrenzten Energiequellen die maßgeblichen Faktoren für die Maximierung der Systemleistung dar. Daher ist es für Ingenieure unerlässlich, die teilweise sehr komplexen Zusammenhänge zwischen Versorgung, Last und Betriebsumgebung zu verstehen, bevor festgelegt wird, welcher Leistungsfaktor beziehungsweise welche Leistungsfaktoren im Mittelpunkt der Optimierung stehen sollen.

Bei Stromversorgungslösungen laufen die meisten Designparameter letztlich auf eine Auslegung im Hinblick auf das Thermomanagement hinaus, bei der die kritischen Komponenten (Halbleiterübergänge, Gehäuseoberflächentemperaturen, Leiterplattentemperaturen) unterhalb der zulässigen Temperaturschwellenwerte bleiben müssen, selbst unter ungünstigsten Betriebsbedingungen wie maximaler Eingangsspannung, Volllast und hoher Umgebungstemperatur.

Uptime-Leistung des Systems steigern

Wenn die Regelung der Ausgangsspannung und deren Genauigkeit im Vordergrund stehen, kann die Optimierung des Stromversorgungsregelkreises (Stabilität der Rückkopplungsschleife und Reaktion auf Lasttransienten) Priorität haben, um sicherzustellen, dass die Stromversorgung bei abrupten Laständerungen oder bei Spannungseinbrüchen und Spannungsspitzen nicht in einen instabilen oder unvorhersehbaren Zustand gerät.

Wenn die Betriebszuverlässigkeit oberste Priorität hat, handelt es sich in der Regel um eine unternehmenskritische Anwendung, bei der der zentrale Leistungsindikator die Betriebszeit der Anwendung oder des Systems selbst ist. In diesem Szenario können die Systemanforderungen sogar vorsehen, die Stromversorgung und andere Komponenten über ihre Spezifikationsgrenzen hinaus zu betreiben, um die Anwendung so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, selbst wenn die Betriebsbedingungen außerhalb der spezifizierten Grenzwerte liegen. Dies unterscheidet sich grundlegend von der Entwicklung von Netzteilen mit integriertem Abschaltschutz bei kurzfristiger Überlast, Überstrom oder Übertemperatur.

Obwohl sie selten als zentrale Engpässe der Anwendungsleistung wahrgenommen werden, stellen Leistungs‑ und Wärmemetriken aufgrund grundlegender physikalischer Grenzen meist die entscheidenden leistungsbegrenzenden Faktoren dar. Ob maximale Sperrschichttemperaturen von Leistungshalbleitern, zulässige Ströme von Netzkabeln oder Induktivitäten – letztlich wird die Systemleistung stets durch Power‑ und Thermik‑Limits definiert. Häufig muss die Leistung reduziert werden, um thermische Gesamthüllen oder zonenspezifische Temperaturvorgaben einzuhalten. Ein Prozessor könnte etwa zusätzliche Millionen Befehle pro Sekunde (MIPS) liefern oder ein Funkgerät mehr Headroom für höhere HF-Ausgangsleistungen besitzen, doch ohne ausreichendes Wärmemanagement lässt sich die zusätzliche Verlustleistung nicht zuverlässig abführen.

Optimierung der Energieleistung und Energieeffizienz

Die Stromversorgung wird oft als selbstverständlich betrachtet – sowohl hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit als auch ihrer konstruktiven Komplexität. Wie bereits im Zusammenhang mit thermischen Engpässen angedeutet, zeigt sich häufig eine deutliche Lücke zwischen dem Spitzenbedarf der Last und der tatsächlich bereitgestellten Leistung, sei es aus Kostengründen oder wegen begrenztem Bauraum. Werden die Herausforderungen der Regelkreissteuerung und des transienten Designs unterschätzt, können Leistungsdefizite auch dann auftreten, wenn die Analyse des Stromversorgungs-Subsystems mit einer zu geringen Sicherheitsmarge durchgeführt wurde und nicht alle Lasten, die über eine gemeinsame Schiene versorgt werden, oder die Zusammenführung vorgelagerter Schienen zu größeren Stromversorgungslösungen ausreichend berücksichtigt wurden.

Die meisten Stromversorgungs-Subsysteme umfassen mehrere Ebenen der Spannungsumwandlung von der Offline-(AC-)Spannung über eine mittlere Busspannung (typischerweise 48/24/12VDC) bis hin zu Niederspannungen für ASICs und andere Logikschaltungen (typischerweise ≤5VDC). In der Regel wird der Effizienz von Wandlungsstufen mit niedrigeren Spannungsschienen mehr Aufmerksamkeit gewidmet, da der Laststrom mit abnehmender Busspannung ansteigt. Dadurch gewinnen die Verlustleistungen an Bedeutung und werden zunehmend kritisch für die thermische Gesamtleistung des Systems.

Selbst bei dieser höheren Aufmerksamkeit auf der Lastseite kann es leicht passieren, dass die Auswirkungen der vorgelagerten Stromumwandlungslösungen übersehen werden. Daher ist es unerlässlich, ein interaktives Modell des Energiebudgets eines Systems zu entwickeln, das die Last-Wirkungsgrad-Kurven aller Stromversorgungen und die Gesamteffekte der transienten Leistung berücksichtigt, von der Endlast bis hin zur Offline-Quelle.

Ist die Leistung einer Stromversorgung von der Systemleistung getrennt?

Natürlich nicht. Dennoch bestehen teils gegenteilige Wahrnehmungen. Jedes elektronische System benötigt elektrische Energie und damit eine geeignete Stromversorgung – und deren Leistungsfähigkeit steht in direktem Zusammenhang mit der Zuverlässigkeit und dem Erfolg der gesamten Anwendung. Meist wird diese Beziehung stark vereinfacht dargestellt (Stromversorgung ein, System läuft), ohne die Stabilität der Stromversorgung im Zusammenspiel mit der Last ausreichend zu berücksichtigen. Fordert die Last etwa eine höhere transiente Leistung, als die Stromversorgung bereitstellen kann, kann dies zu einer Instabilität des Regelkreises führen und eine Reihe negativer Auswirkungen verursachen, wie schlechte Spannungsregelung, Startprobleme und unerwünschtes Auslösen von Schutzfunktionen bis hin zu erhöhten elektromagnetischen Emissionen und EMV-Problemen.

Die Leistungsfähigkeit einer Stromversorgung hängt ebenso stark von den Umgebungsbedingungen ab wie die anderer Systemkomponenten. Häuftig muss die Nennleistung bei niedrigeren Versorgungsspannungen reduziert werden, was letztlich durch die zuvor beschriebenen thermischen Engpässe begrenzt wird. Zudem führt mehr verfügbare Leistung nicht automatisch zu einer höheren Leistungsaufnahme der Last, wenn das System durch seine maximal zulässige Verlustleistung thermisch limitiert ist. Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck, was eine weitere Leistungsreduktion erforderlich macht; als Richtwert entspricht eine Höhendifferenz von etwa 300m rund 1°C zusätzlicher thermischer Belastung. Weiters muss der Isolationsgrad für den Betrieb in großen Höhen erhöht werden, da elektrische Durchschläge bei niedrigem atmosphärischem Druck wahrscheinlicher sind. Aus diesen Gründen ergänzt RECOM die Spezifikationen seiner AC/DC-Stromversorgungen um die maximal zulässige Betriebshöhe.

Zusammenfassung: Stromversorgungsdesign für Zuverlässigkeit, Effizienz und thermische Performance

Dennoch gibt es Einsatzszenarien und Stromversorgungsarchitekturen, bei denen bewusst versucht wird, die Leistung der Stromversorgung von der Systemleistung zu entkoppeln. In den meisten Fällen betrifft dies redundante Anwendungen, bei denen das Verhältnis zwischen Stromquellenbudget und Systembudget größer als 1:1 ist. Redundante Stromversorgungen, die eine gemeinsame Lastschiene versorgen, teilen sich in der Regel den Strom, wobei als Faustregel eine gleichmäßige Aufteilung innerhalb von 10% gilt. Das bedeutet, dass jede Stromversorgung deutlich unter ihrem maximalen Nennausgangsstrom betrieben wird.

Die grundlegendste Form der Redundanz ist eine n+1-Konfiguration, bei der zwei in der Regel identische Stromversorgungen ein System gemeinsam versorgen, obwohl ein einzelnes Gerät in der Lage wäre, die volle Last zu übernehmen. Da die Strombudgets von Systemen typischerweise mit einer gewissen Marge ausgelegt sind, werden diese Stromversorgungen häufig mit maximal 30–40% ihres Nennausgangsstroms betrieben, selbst wenn das System seinen absoluten Maximalstrombedarf erreicht. Wären sowohl die Stromversorgungen als auch das System konsequent für die volle Systemleistung ausgelegt und qualifiziert, würde sich die nachgewiesene Lebensdauer der Stromversorgungen deutlich von der des Systems unterscheiden, da die Systemkomponenten effektiv einer etwa doppelt so hohen thermischen Belastung ausgesetzt sind wie die Stromversorgungen.

Ein weiteres Beispiel für die Disaggregation zwischen Energielösungen und System oder Lastbedarf ist das Szenario der Lastabschaltung oder Lastverteilung. Es ist nicht immer pragmatisch, Energielösungen auf Grundlage eines Systemleistungsbudgets zu dimensionieren, das aus der Summe der Maxima aller Worst-Case-Lastprofile gebildet wird. Nur selten erreichen alle Lasten gleichzeitig ihre maximale Leistungsaufnahme, was andernfalls zu unnötiger Überdimensionierung führen würde. Diese Überlegungen können jedoch in der Praxis zu einer größeren, teureren und weniger effizienten Stromversorgungslösung führen, als für die jeweilige Anwendung tatsächlich erforderlich ist. Ist bekannt, dass wesentliche Systemlasten gegenphasig arbeiten, Rechen- und Arbeitsspeicher sind ein klassisches Beispiel, bei dem die Stromverläufe typischerweise um 180° phasenverschoben sind, kann eine kleinere Stromversorgungslösung mithilfe intelligenter Stromverwaltungstechniken (IPM) eingesetzt werden.

Einige Stromversorgungen sind bewusst so ausgelegt, dass sie kurzzeitig einen Überstromzustand überstehen, ohne abzuschalten oder den Überstromschutz (OCP) zu aktivieren. Ein Beispiel ist ein System mit mehreren Power-over-Ethernet (PoE)-Ports mit variabler Leistungsaufnahme, die kurzzeitig mehr Leistung benötigen, als die Stromversorgung dauerhaft bereitstellen kann, etwa 120% der Nennlast für <200ms, während die Leistungspegel der einzelnen PoE-Ports ausgehandelt werden. In diesem Fall ist die Stromversorgung so konzipiert, dass sie solche Ereignisse übersteht, ohne OCP auszulösen, und gleichzeitig einen Kurzschlussschutz (SCP) für länger andauernde Überstromereignisse gewährleistet. Das Vorhandensein eines digitalen Steuerkerns, wie beispielsweise bei der RACM1200-V Stromversorgung von RECOM, ermöglicht eine einfache Programmierung des Netzteilverhaltens für solche Ereignisse.
  Serie
1 RECOM | RACM1200-V Series | AC/DC, Connector, 1200W, Single Output
Fokus
  • Up to 1000 Watt fan-less power / 1200W boost
  • Designed and manufactured in europe
  • Efficiency exceeding 90% from 15% load
  • Wide Operating temperature range -40…+80°C